| 2) Über die Unterlagen, die wir uns angesehen haben
Es
waren die Unterlagen zu den beiden Schiffen CELIA und ELBE, da
diese beide in deutschen Gewässern gesunken sind und vom
BSH zur Sicherheit der Gewässer in grösseren Abständen
betaucht werden. Die CELIA wurde im vergangenen Jahr von Herrn
Wehlisch identifiziert, mithilfe seiner intensiven Recherchen
an mehreren Orten Norddeutschlands, Institutionen und zuletzt
mit dem von Blohm & Voss zur Verfügung gestellten Schiffsriss.
Die ELBE schlummert irgendwo um Amrum herum in der Tiefe, und
es stehen einige Schiffswracks zur Auswahl, die es sein könnten.
Die ist in dem früheren Werftstandort Sunderland gebaut worden,
dort habe ich auch sofort Informationen vom Stadtarchiv erhalten.
Aber leider ist dort kein Riss, kein Foto vorhanden.
231-4 Schiffsregisteramt
1387 CELIA (1883 erbaut, 26.8.1891 gesunken)
1424 ELBE (1884 erbaut, 1889 erworben, 1903 gesunken)
Von der Celia befindet sich in der Dokumentenmappe
• die Eintragung ins Schiffsregister von 1883, mit der Auflistung
aller ihrer 17 Eigentümer und der Verteilung der 170 Parten
(Anteile),
• Schiffs-Messbriefe vom Deutschen Reich
• Die Ernennung des Kapitän Weller zum Schiffsführer
im Oktober 1883
• Die Ernennung des Kapitän H. Wortmann im August 1886
sowie
• Die Ernennung des Kapitän G.E.O. Weller auf der Titania
zum selben Datum
• Kapitän Leewe führte das Schiff ab dem 24.12.1889.
Er war an Bord bei dem Unfall.
• Eine Schrift des Seeamt zu Hamburg, der Sitzung vom 3.9.1891.
• Ein Schreiben an die Deputation für Handels-Schiffahrt
vom 20.11.1891.
• Ein Brief des Kapitän Leewe an A. Kirsten über
den Verlust seines Schiffes.
Auf einigen Schriftstücken befinden sich die grossen Briefköpfe
der Firma, einer hatte diese hübsche Beschriftung:
Hamburg-Pacific
Dampfschiffs-Linie
Monatliche Expeditionen von Hamburg
via Zwischenhäfen nach
Sämtlichen Häfen der Westküste
Süd- u. Central-Amerikas
--- * ---
Hamburg-Calcutta-Linie
Monatliche Dampfschiffs-Expeditionen nach
Calcutta und Zwischenhäfen
--- * ---
Regelmässige Dampfschiffs-Linien
nach
LONDON
HULL
NEWSCASTLE
ROTTERDAM
ANTWERPEN
ST. PETERSBURG
--- * ---
A. Kirsten
Hamburg
--- * ---
Telegramm Adresse
Stenkirst, Hamburg
Scotts Code und ABC Code
gefl. zu benutzen |
Bei den Unterlagen der Elbe, also gut 10-20 Jahre (weiss nicht
mehr, ob das Datum dieses Schriftstückes aus den 1880er oder
1890er Jahren stammte) von 1903 sieht der Kopf schon anders aus.
Es steht Kosmos darin und Bei der Calcutta Linie sind Madras und
ein anderer Hafen spezifisch genannt. Die Telegramm-Adresse steht
ganz oben. Wie gern hätte ich ein Foto davon gemacht…
Über die Elbe-Unterlagen bin ich zeitlich nicht dazu gekommen,
etwas über den Inhalt abzuschreiben. Es befanden sich aber
keine Risse darunter. Dafür gibt es in einem dicken Buch
den seitenlangen Schuldspruch – in Sütterlin. In der
Dokumentenmappe (also an anderer Stelle) befindet sich eine Mitschrift
zur Verhandlung. Eine Kurzfassung der Seeamtsverhandlung gibt
es in der Zeitung auf Film. Hier handelt es sich um die Zeitung
BÖRSENHALLE vom 28.12.1903, Kapitän Kaul war der Schiffsführer.
Wie die Filmunterlagen funktionieren, wo man sie findet, dazu
bin ich gar nicht durchgedrungen bei diesem Besuch. Nun weiter
zu den Dokumenten.
Interessant wäre auch die Information zu
372 Elb- und Hafenverwaltung
372-10 Reichswasserstrassenverwaltung
372-10/6 Kriegsschadenamt
D 203 A. Kirsten, 1942-1953
Das würde ich mir auch einmal raussuchen lassen
373 Schiffahrtsaufsicht
373-1 Wasserschout
„Das Amt des Wasserschout existierte in Hamburg von 1691
bis 1873, er hatte die Aufgabe, bei Lohnkonflikten zwischen Schiffsmannschaften
und Kapitänen zu vermitteln. Dafür erstellte er von
jedem Schiff, das Hamburg erreichte oder verließ, eine Liste,
in der die Namen der angemusterten und abgemusterten Seeleute
und Ihre Heuer verzeichnet waren.“
373-5 Untersuchungsakten
Dieses Kapitel ist äusserst interessant. Hier könnte
ich noch sehr sehr viel mehr Unterlagen ansehen
A 1903 Band 2 ist das oben erwähnte dicke Buch zum Untergang
der Elbe. Hier kann man nur schätzen. Jahr, dann vor oder
nach ca. Juni ist es Band 1 oder Band 2. Hier war die Beratung
des Staatsarchivs sehr hilfreich und hat das Buch herausgesucht.
Auf Seite 1259 befindet sich der lange Sütterlin-Text zur
ELBE.
Auf Seite 1193 entdeckte ich beim Suchen nach der Elbe zufällig
einen Spruch zum Unfall der HERMIA! (vs. Staveley)! Diese Vielfalt
der Unterlagen und Finde-Möglichkeiten verwirrte mich den
ganzen Nachmittag über. Nun weiss ich besser bescheid.
B Überschrift leider nicht notiert
Ganz schnell habe ich diese Seiten überflogen, und dabei
folgendes gefunden
5344 Strandung des Dampfers Diana 1879-1899
5466 Unfall des Dampfers Banda 1879
5906 Untergang des Schoners Alster
Band 1 Spruchakte 1898-1899
Band 2 Journal 1897-1898
6711 Strandung des Dampfers Lavinia 1899
7164 Unfall des Passagiers Busse vom Dampfer Adriana 1900-1901/1903
C Sammlung von Gerichtsentscheidungen in einzelnen Seeunfallsachen
114 Hermia u. britisches Dampfschiff Staveley 1903-1905
106 Nerissa u. Fischewer Helene 1902-1904
167 Celia u DS Naval 1910-1913
(die zweite Celia, nicht die o.g., siehe auch Gemälde auf
der Webseite)
180 Portia u. Leichter Minna Krohn 1912-1914
Dh schon mal, dass man über den Unfall der Hermia zum einen
in 373-5/1903 Bd 2 etwas lesen kann, was man aber nur schätzen
kann, da nicht aufgelistet vorher, und dann in 373-5/C114 auch
noch.
An diesem Findbuch habe ich mich festgekrallt und versucht, durchzusteigen.
Ganz hinten befindet sich noch Rubrik „F“, in der
die Unterlagen nach Schiffen sortiert sind. Diese Rubrik F ist
aber leider nicht öffentlich zugänglich. Und man kommt
mit blossen Schiffsnamen nicht immer weiter. Besser wären
die Schiffsregisternummern. Die sind mir nun wirklich noch niemals
begegnet in meinen Unterlagen. Was in Ordnung ist, denn ich habe
ja derartige Aufzeichnungen überhaupt nicht, sondern entnehme
meine Kenntnisse hauptsächlich aus den 3 geschriebenen Büchern
und einiger zufällig übriggebliebener Dokumente.
Ganz zum Schluss war ich dann wohl komplett überfordert,
denn ich weiss nicht mehr, welches überaus spannende Buch
ich da in den Händen hielt. Es war eines, für dessen
Durchsicht und Abschrift zum Raussuchen allein man gut 2 Stunden
brauchen würde. Mal ganz zu schweigen davon, dass man die
Ergebnisse niemals an einem Tag durchlesen könnte. Es geht
dann ja auch nicht nur ums blosse Durchlesen bzw. die Suche nach
Details, sondern ich starre erstmal gebannt und fasziniert auf
diese uralten Unterlagen und freue mich an den hübschen Ansichten
und Details und geniesse das, was ich vor mir habe. Dann kommt
aber wieder die Enttäuschung darüber, das nicht einfach
mitnehmen zu können.
Aus diesem Findbuch, in dem also zig A. Kirsten Schiffe genannt
werden mit vorhandenen Dokumenten, werde ich aber wahrscheinlich
ein einziges anfordern:
5436 DESDEMONA Rg 9071 1951-1953
Das ist das einzige Schiff, welches ich je „lebend“
gesehen habe, wunderhübsch auf Feuerland in pittoresker Umgebung
auf dem Strand liegend, zweimal war ich schon dort.
Dummerweise habe ich nur vergessen, aus welchem Findbuch. Sonst
kann man nämlich alles schon vorher bestellen. Das ist sehr
praktisch und man kann auch das Datum festlegen, zu dem man die
Unterlagen sehen möchte, und sie können auch einige
Zeit lang bereitliegen. Die Organisation an sich finde ich akzeptabel
und vor allem sind die Damen vor Ort wirklich sehr hilfreich.
Aber das Abfotografierverbot ?…
Jessica Kirsten |